Probleme mit der Wärmedämmung

Welche Probleme können durch Wärmedämmung entstehen?

Ich halte den Einsatz von Wärmedämmmaterial insbesondere zur Altbausanierung zumindest für problematisch. Ältere Gebäude leben von einem gesunden Wärme- und Feuchtigkeitsdurchgang. Dieser wurde in den vielen hundert Jahren zuvor immer zugelassen. Durch die nachträglich mit Wärmedämmschichten versehenen Altbauten sinkt der Energieaufwand zur Beheizung signifikant. Gleichzeit jedoch entstehen neue Probleme durch Luftfeuchtigkeit, die nur durch pc-gesteuerte Be-und Entlüftungsanlagen tatsächlich in den Griff zu bekommen sind. Das empfohlene ausreichende Querlüften ist eine günstigere Alternative für die, denen die Gefahr welche durch die Luftfeuchte im Raum ausgeht bekannt und bewußt ist. Andere leben unbewußt mit der Gefahr einer Schimmelbildung. Das Entsorgungsproblem für bereits erstellte Wärmeverbundsysteme mit HBCD besteht gegenwärtig kaum. Betroffen sind aber die derzeit zu erstellenden Neubauten und wärmetechnischen Sanierungsvorhaben. HBCD (Hexabromcyclododecan) ist ein additives Flammschutzmittel, das überwiegend in Polystyrol Schaum, in hochschlagfestem Polystyrol eingesetzt wird. Dadurch wird insbesondere erreicht, dass sich lokale Brandherde langsamer entwickeln. neue-wd-auf-alter-fassade-iiDurch die Einmischung von HBCD wird erreicht, dass Polystyrol als „schwer entflammbar“ klassifiziert eingestuft werden kann! Seit dem 11. März 2016 gibt es außerdem eine direkte Verbindung zwischen der deutschen Verordnung über das europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnisverordnung – AVV) und der POP-Verordnung in Form eines dynamischen Verweises (Nr. 2.2.3 der Einleitung des Abfallverzeichnisses). Demnach gelten grundsätzlich alle POP-haltigen Abfälle (die den jeweiligen Grenzwert in Anhang IV der POP-Verordnung überschreiten) in Deutschland als gefährlich und nachweispflichtig. Die neue Einstufung betrifft vor allem Polystyrol-Dämmstoffe, die mit HBCD als Flammschutzmittel ausgerüstet sind. Expandiertes Polystyrol (EPS) enthält in der Regel 0,7% und extrudiertes Polystyrol (XPS) ca. 1,5% HBCD. Da der Grenzwert für die Einstufung als gefährlicher Abfall bei 1000 ppm (0,1%) liegt, gelten diese Abfälle ab 30. September 2016 als gefährlich und nachweispflichtig und dürfen nur noch in Abfallverbrennungsanlagen behandelt werden, die über eine entsprechende Zulassung verfügen. Der Begriff „gefährlich“ meint in diesem Zusammenhang, dass die Behandlung des Abfalls gesondert zu erfolgen hat und mit entsprechenden Nachweisen belegt werden muss. Nach der Abfallverzeichnis-Verordnung werden HBCD-haltige Dämmstoffabfälle daher ab 30. September 2016 der Abfallschlüsselnummer „17 06 03* anderes Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht oder solche Stoffe enthält“ zugeordnet. Für kleinere Mengen < 2t gilt die Vorschrift der POP-Verordnung, dass das HBCD in ihnen unumkehrbar zerstört oder umgewandelt werden muss. Hierfür ist die Abfallverbrennung das geeignete Verfahren. Offensichtlich ist das Material nicht so giftig, dass man es nicht Thermischen entsorgen, also verbrennen, könnte. Das Problem jedoch ist, dass die Vernichtung des HBCD – haltigen Materials thermisch getrennt erfolgen muß. Das wiederum hält die Heizkraftwerke mit entsprechend ausgelegten Anlagen davon ab diese Materialien überhaupt zu verbrennen. Sie müßten diese Kleinmengen zwischenlagern um sie dann separat verbrennen zu können. Diese Logistik existiert derzeit nicht, deshalb wird die Annahme dieser belasteten Abfälle abgelehnt. Handwerker und Auftraggeber bleiben auf dem Material sitzen. Geplante Bauleistungen, die die Verwendung des jetzt „geächteten Materials“ beinhalten sind gecancelt. Der Streit ist vorprogrammiert! Handwerker und Auftraggeber debattieren über die Einhaltung der Vertragsmodalitäten, es geht um die Ausführung an sich und um den vertraglich zugesicherten Preis.

Hintergund: Nach der POP-Verordnung ((EG) Nr. 850/2004) Art. 7 (2) müssen Abfälle, die persistente organische Schadstoffe („POPs“) enthalten, so verwertet oder beseitigt werden, „dass die darin enthaltenen persistenten organischen Schadstoffe zerstört oder unumkehrbar umgewandelt werden“. Abfall gilt dann als „POP-haltig“, wenn dessen POP-Gehalt größer oder gleich einer bestimmten Grenzwertkonzentration im Anhang IV der POP-Verordnung ist. Der für HBCD festgelegte Grenzwert von 1000 mg/kg wird am 30. September 2016 rechtswirksam. Mit dem Grenzwert wird das Ziel verfolgt, HBCD aus dem Wertstoffkreislauf auszuschließen.

 

 

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