Drainage – das Für und Wider

Drainagen beim Hausbau sind sicher sehr wichtig. Sie bieten jedoch nicht die absolute Sicherheit gegen eindringende und folglich aufsteigende Feuchtigkeit. Ein vorhandenes oder nachgerüstetes Drainagesystem kann allein nicht für trockene Wände sorgen. Eine weitere Voraussetzung ist die sichere Sperrung der Wände gegen horizontal und vertikal angreifende Feuchtigkeit.

Funktion einer Drainage

Drainagen werden im Erdreich verlegt und sollen den Aufstau von Oberflächenwasser und Grundwasser vermeiden. Durch Sammlung des Wassers wird ein möglicher Wasserdruck vermieden oder permanent abgebaut. Wichtige Vorrausetzung ist, das die Drainage fachgerecht neben der Bodenplatte und unter Gründungsplattenniveau Keller verlegt wird. Zum Einsatz kommen starre Drainagerohre DN100, die mit Flies und einem Ummantelungsbett aus Drainagekies vor Schwebestoffen dauerhaft geschützt werden. Über die Stangenrohre wird das Drainagewasser in ein Vorfluter System abgeführt. Der auf die  Kellerwände  wirkende Wasserdruck wird mittels der umlaufenden Drainage deutlich reduziert. Der  Wasserbelastungsfall wird zielgerichtet vom Belastungsfall ‚aufstauendes Sickerwasser’ in  ‚nicht stauendes Sickerwasser‘ verwandelt.

Nachrüstung sinnvoll?

Handelt es sich beim Sanierungsobjekt um Bausubstanz, die vor 1970 errichtet wurde, dann ist davon auszugehen, dass keine funktionierende Drainage vorhanden ist. In dieser Zeit wurden Gebäude oftmals auf Fundamentstreifen gegründet. Eine durchgehende statisch relevante Bodenplatte wurde selten ausgeführt und ist deshalb auch sehr selten anzutreffen. Andererseits können ältere Bodenplatten durch Materialermüdung oder aber durch die Verwendung minderwertiger Betone Risse und damit Undichtigkeiten aufweisen. Durch diese möglichen Risse dringt insbesondere das Grundwasser in die Bodenplatte, ggf. auch in die Kellerwände ein.

Problematisch ist sehr häufig die bautechnische Ausführung des Übergangs von Kellersohlplatte zur Kelleraußenwand. Hier kann die eingesetzte Drainage zielgerichtet zur örtlich begrenzten Absenkung des Grundwasserspiegels führen und helfen. In Kombination mit einer DIN- und fachgerechten Erneuerung der Außenwandsperre  wird die Feuchtebelastung der Wände deutlich reduziert, bzw. ganz ausgeschlossen.

Aufwand und somit Kosten sind erheblich

Insbesondere die aufwendige Nachrüstung, aber auch die beim Neubau verlegte Drainage verursachen Kosten. Diesen zusätzlichen Kostenaufwand halte ich für zumindest bei Neubauobjekten für sinnvoll und gerechtfertigt. Fakt ist, dass auf lange Sicht das Problem Feuchtigkeitseintritt und damit Schäden am Bauwerk und infolge dessen auch gesundheitliche Beeinträchtigungen vermieden werden können. Ich halte diese Investition für sehr wichtig, daran sollte nicht gespart werden.

Wie wird die Drainage ausgeführt?

Die fachgerechte Verlegung einer Drainage wird in der DIN 4095 ‚Dränung zum Schutz baulicher Anlagen‘ geregelt. Danach muss, wie bereits erwähnt, das Stangendränrohr DN 100 in eine Kiesschicht, die wiederum mit Vlies komplett geschützt sein muss, eingelegt werden. Die zu verwendende Körnung der Drainkiesschicht, wie auch das Fabrikat des Dränrohrs und der Vlies sind in der DIN genauestens beschrieben. Bei Richtungsänderungen der Drainage, z. B. an Gebäudeecken müssen Spül- und Reinigungsschächte DN 300 vorgesehen und eingebaut werden. Die Spülschächte mit einem Innendurchmesser von 30cm dienen der turnusmäßigen  Wartung und sollen notfalls ein freispülen der Drainagerohre  ermöglichen.

Die mangelfreie Verlegung und auch der richtige Materialeinsatz der Drainagerohre ist Voraussetzung für die sichere Sammlung und Ableitung des Drainagewassers. Gibt es da Mängel, so sind Schäden durch Rückstau und damit Bewässerung des gesamten Kellersohlbereiches möglich. Es entsteht eine Situation, die ohne eine Drainage sicherlich nicht so eingetreten wäre. Die Ausführungsqualität ist deshalb von äußerster Wichtigkeit. Die häufigsten Mängel entstehen dadurch, dass dem auf der Rolle liegenden, günstigeren  Drainagerohr der Vorzug gegeben wurde. Nach DIN 4095 ist deshalb Drainagerohrrollenware im Wohnungs- und Gesellschaftsbau nicht mehr zugelassen. Grund: Mit dem auf Rolle liegenden gelben Drainagerohr DN 100 ist ein klar definiertes durchgängige Gefälle nicht einzuhalten.

Wasser muß sicher abgeführt werden

Das anfallende Drainagewasser darf nicht einfach in den öffentlichen Kanal eingeleitet und somit der Kläranlage zugeführt werden. In vielen Städten und Gemeinden ist dies ausdrücklich verboten. Die Lösung des Problems liegt in einer gut geplante, höhenmäßig passenden und ausreichenden dimensionierten  Versickerungsmöglichkeit auf dem eigenen Grundstück.
Dies macht den Bau einer so genannten Rigole* notwendig. *Eine mehrere Kubikmeter umfassende unterirdische Kiespackung. Eine solche Rigole ist technisch sicherlich nicht sehr anspruchsvoll, bedeutet eine nicht zu unterschätzenden Aufwand und damit Kosten.

 Wartung und Pflege nicht vernachlässigen

Trotz aller Kiesschichten und Vliesummantelungen gelangen im Wasser gelöste Bestandteile immer wieder in die Drainage und setzen diese auf lange Sicht zu.  Eine mehrere Jahre im Erdreich liegende Drainage, die noch nie gespült wurde, ist mit größter Wahrscheinlichkeit verstopft und damit funktionslos. Ein regelmäßiges Spülen des Systems, mindestens einmal im Jahr, ist sinnvoll und empfehlenswert.

Drainage – mein  Fazit

Ob eine Drainage für Ihr Haus Sinn macht oder nicht, ist in Abhängigkeit vom anstehenden Baugrund, der Art und Weise der Gründung und auch der Möglichkeit das anfallende Drainagewasser sicher abzuführen zu entscheiden. Die Entscheidung ob Sie diesen zusätzlichen Aufwand für die Verlegung einer Drainage richtig und notwendig halten sollten Sie nicht allein treffen. Dafür gibt es keine pauschales Antwortmuster. Nur mit fachlicher kompetenter Hilfe werden Sie auf lange Sicht die richtige Entscheidung für Ihr Haus und Ihre Gesundheit treffen. (ws)

 

 

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